Wanderkurs: Selbstsicher wandern im Siebengebirge

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Alleine wandern will gelernt sein: Am 6. Mai habe ich an einem Wanderkurs von Wandersfrau Jessica zum selbstsicheren Wandern im Siebengebirge teilgenommen. In diesem Erfahrungsbericht verrate ich euch, was ich dabei gelernt habe und wozu mich der Kurs inspiriert hat.

„Müsste nicht gleich wieder eine Wegmarkierung kommen?“, frage ich mich und laufe mit aufmerksamem Blick weiter auf einem Waldweg mitten im Siebengebirge. Meine Augen suchen die Bäume entlang des Weges nach der blau/weißen Markierung des Rheinsteigs ab. Denn dort geht die Route des Wanderkurses von Wandersfrau Jessica (www.wandersfrau.de) entlang, an dem ich heute teilnehme.

Info: Hier gibt es Infos zu den Kursen und Terminen der Wandersfrau.

Siebengebirge wandern Rheinsteig

Jessica erklärt uns das richtige Verhalten bei Gewitter in den Bergen. Im Hintergrund: Die Rheinsteig-Wegmarkierung

Selbstsicher wandern im Siebengebirge – Wege und Ziele

Ich befinde mich auf dem knapp vier Kilometer langen Streckenabschnitt, den alle TeilnehmerInnen des Kurses alleine wandern. Mit einer kleinen Gruppe von insgesamt fünf Leuten sind wir am Vormittag im idyllischen Örtchen Rhöndorf bei schönstem Wetter auf unsere Tour gestartet. Die insgesamt knapp zwölf Kilometer lange Route des Wanderkurses führt zunächst von Rhöndorf hinauf auf den Drachenfels. Von dort aus geht es weiter zum Geisberg, von wo aus wir einen wunderschönen Blick hinunter aufs Rheintal haben. Vom Geisberg aus wandern dann alle TeilnehmerInnen alleine hinüber und hinauf zum Petersberg, dem bekanntesten Berg des Siebengebirges. Dort kann man sich nach dem anstrengenden Aufstieg in einem Biergarten ein kühles Getränk bei bestem Ausblick gönnen, bevor es an den Abstieg hinunter zum Zielort Königswinter geht.

Wandern im Siebengebirge Geiseberg

Vom Geisberg aus haben wir einen schönen Blick hinunter auf das Rheintal

Das Ziel des Kurses ist es, selbstsicher alleine zu wandern – nicht nur im Siebengebirge, sondern auch anderswo im Wald und in den Bergen. Denn wie Wandersfrau Jessica im Interview mit mir schon gesagt hat: Alleine zu wandern und unterwegs zu sein kann eine bereichernde Erfahrung sein. Gleichzeitig halten uns Ängste und Hürden im Kopf häufig davon ab, uns alleine auf den Weg zu machen. Was ist, wenn ich mich nicht orientieren kann? Was mache ich, wenn ich mich verlaufe? Ist es nicht komisch, ganz alleine unterwegs zu sein? Könnte mir nicht etwas passieren? In ihren Wanderkursen gibt Jessica ihren Teilnehmer*innen konkretes Wissen und Tipps an die Hand, diese Ängste zu überwinden.

Info: Mehr zum Thema Wandern gibt es zum Beispiel in meinem Artikel zum Wandern im wilden bergigen Hinterland Kroatiens. Auch beim Reise- und Umweltmagazin Anderswo gibt es viele Infos zum Wandern in Deutschland und ganz Europa!

Siebengebirge Drachenfels Blick

Blick vom Drachenfels

Kleine Kartenkunde fürs Wandern im Siebengebirge und anderswo

An einem Aussichtspunkt unterhalb des Drachenfelses gibt es eine Einführung ins Kartenlesen. Jessica zeigt uns Wanderkarten mit verschiedenen Maßstäben und erklärt, was genau das eigentlich bedeutet. Wir lernen, eine Karte mit einem Kompass einzunorden und richtig herum zu halten. Außerdem zeigt uns Jessica ein Kartenmessgerät. Darauf kann man den Maßstab einer Karte einstellen und damit genau abmessen, wie viele Kilometer lang ein auf der Karte eingezeichneter Weg ist. Das ist nicht nur fürs Wandern im Siebengebirge, sondern vor allem auch für Touren in den Bergen hilfreich.

Schließlich erhalten wir alle eine eigene Karte des Siebengebirges und können dann die gesamte Route lang üben, uns damit zu orientieren. Denn oft treffen wir auf unerwartete Situationen: Ein fehlendes Schild, ein gesperrter Weg, eine nicht oder nur schwer sichtbare Markierung. Wir lernen, wie wir uns in solchen Situationen verhalten können und wie wir die Orientierung behalten oder wieder zurückerlangen.

Wandern im Siebengebirge Wanderkurs

Am ersten Aussichtspunkt der Tour steht eine kleine Kartenkunde an

Wanderkurs Siebengebirge

Kleine Kartenkunde beim Wanderkus: Wandersfrau Jessica zeigt uns das Kartenmessgerät

Außerdem bietet der Wanderkurs einen Raum, um unsere Ängste anzusprechen. Wir tauschen uns darüber aus, welche Situationen uns ein ungutes Gefühl machen. Mir selber wird dadurch klar, dass ich mich in der Natur meistens sicher fühle. Als Frau empfinde ich das städtische Umfeld – insbesondere nachts und nicht zuletzt, weil ich schon einige schlechte Erfahrungen gemacht habe – als deutlich unangenehmer als einen Waldweg mitten in der Natur.

Info: Im Interview Alleine wandern: „Mehr Frauen in den Wald!“ spricht Wandersfrau Jessica übers alleine Wandern und  Unterwegssein als Frau.

Als wir auf dem Geisberg ankommen, merke ich die Anstrengung der sich abwechselnden An- und Abstiege. Ich bin froh über eine kurze Pause, bei der ich einfach nur den schönen Ausblick genießen kann. Aber ich genieße die körperliche Anstrengung auch – für mich ist der Ausflug ins Siebengebirge nach einem Kreuzbandriss im letzten Sommer die erste längere Wandertour mit An- und Abstiegen. Aber mein Knie macht gut mit und ich kann die Tour genießen.

Geisberg Siebengebirge wandern

Auf dem Geisberg angekommen: Ein wenig sieht man mir die Anstrengung an

Alleine wandern und die Natur intensiver wahrnehmen

Vom Geisberg aus mache ich mich schließlich alleine auf den Weg hinüber zum Petersberg. Das Wandern in der Gruppe war schön, aber als ich alleine bin, nehme ich vieles plötzlich viel intensiver wahr. Wie die Vögel zwitschern, wie der Wind in den Blättern rauscht, wie gut es im Wald riecht. Ich kann mich voll und ganz darauf einlassen, die Natur zu genießen, in meinem Tempo zu gehen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Nachdem ich an einer Kreuzung abgebogen bin, komme ich schließlich an die Stelle, an der ich auf die nächste Wegmarkierung warte. Aber auch nach einigen weiteren Metern kommt keine Markierung und ein Schild ist auch nirgends zu sehen. Im Kurs haben wir gelernt: Wenn wir die Orientierung verloren haben oder uns nicht sicher sind, ist es oft sinnvoll, zur letzten Kreuzung zurückzugehen. Nachdem ich weiterhin die blau/weiße Rheinsteig-Markierung vergebens suche, beschließe ich, genau das zu machen. Zurück an der Kreuzung packe ich die Wanderkarte aus, schaue mir die Wege noch einmal genau an und stelle fest: Ich bin an dieser Stelle falsch abgebogen. Ich schlage die andere Richtung ein und nach wenigen Metern freue ich mich: Eine blau/weiße Markierung blitzt durch die Blätter. Ich bin wieder auf dem richtigen Weg!

Wanderkurs Wandern im Siebengebirge

Wo geht es lang? Wir lernen, uns mit der Karte zu orientieren

Neue Motivation: Alleine NRW entdecken

Ich freue mich, die kleine Herausforderung gemeistert zu haben. Gleichzeitig erkenne ich, wie wichtig und gut es ist, sich alleine orientieren zu können. Ich bin zwar häufig alleine in den Ville-Wäldern in Brühl unterwegs, aber die Wege dort kenne ich in- und auswendig. Länger alleine gewandert bin ich bisher noch nicht und auf Wanderungen mit Begleitung habe ich mich meistens darauf verlassen, dass die andere Person den Weg schon kennen wird. Und so war es bisher meistens auch. Aber da ich es genieße, auch mal alleine unterwegs zu sein, beschließe ich nach dem Kurs: Ich werde ab jetzt das Kartenlesen weiter üben und ich werde mich öfter alleine auf den Weg machen. Ab Juni werde ich regelmäßig an einem Montag im Monat einen Tagesausflug machen. Der Plan: Verschiedene Ziele in NRW alleine besuchen und erkunden. Das Rheintal, die Eifel, das bergische Land, viele Städte – es gibt viel zu entdecken! Mehr dazu gibt es dann ab Juni in der Rubrik Nachhaltig Reisen.

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Du möchtest mehr zum Thema Wandern lesen? Hier kannst du meinen Wanderbericht zum Wandern im kroatischen Velebit-Gebirge lesen.

Wandern im Wald

Inspiration durch den Wanderkurs: Ab Juni werde ich mich öfter alleine auf den Weg machen und NRW erkunden

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One thought on “Wanderkurs: Selbstsicher wandern im Siebengebirge

  1. Liebe Cella,
    Dein Bericht ist wirklich toll geworden und vermittelt einen guten Eindruck von dem Wanderkurs und dem Erlebnis,sich alleine zu orientieren und die Natur zu genießen. Dankeschön und bis bald bei einer Wanderung!

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