Durch die Nacht – Reisen mit dem Nachtzug in Europa

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Reisen mit dem Nachtzug in Europa

Reisen mit dem Nachtzug in Europa: Während unserer Zug- und Busreise durch Osteuropa sind mein Freund Andreas und ich zweimal mit dem Nachtzug gereist – auf der Strecke Prag-Krakau mit der Tschechischen Bahn und auf der Strecke Wien-Köln mit dem ÖBB Nightjet. Ein Erfahrungsbericht.

Mit dem Nachtzug von Prag nach Krakau

Verschlafen blinzele ich aus dem Fenster hinaus in die aufgehende Sonne. Draußen ziehen Felder und kleine Ortschaften vorbei. Gemeinsam mit meinem Freund Andreas sitze ich im Zweier-Schlafwagen im Nachtzug von Prag nach Krakau. Wir sind durch die Nacht gefahren und nun ist es morgens um kurz vor halb sieben und nicht mehr lange, bis wir am Ziel ankommen.

Gute Neuigkeiten: Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 wird es eine direkte Nachtzugverbindung von Berlin bis nach Wien sowie nach Krakau und Budapest geben! Hier findest du mehr Infos zum neuen Nachtzugangebot.

Die Müdigkeit weicht schnell der Aufregung: Umziehen, Sachen packen und dann das kleine Frühstück verzehren, das die Tschechische Bahn CD den Nachtreisenden in kleinen Papp-Kartons in den Wagon serviert. Das vegane Frühstück fällt etwas spärlich aus: Brötchen mit Marmelade und dazu Orangensaft. Wir freuen uns trotzdem darüber und schauen noch ein wenig aus dem Fenster, wo die Landschaft langsam immer städtischer aussieht. Weit kann es nicht mehr sein und unsere Vorfreude auf die polnische Stadt Krakau wächst.

Info: Möchtest du selber mal mit dem Nachtzug in Europa reisen oder möchtest dich über eine Zugreise in Europa informieren? In diesem Beitrag zeige ich dir, wo du Infos zu den Zugverbindungen in Europa, zu Zugtickets und zur Buchung findest.

Im Schlafwagen durch die Nacht

Als wir am Abend vorher gegen 22 Uhr nach einem schönen, aber auch anstrengenden Tag in Prag in den Zug einsteigen, sind wir erst einmal zu aufgeregt zum Schlafengehen. Es ist unsere erste Fahrt mit einem Nachtzug – zumindest gemeinsam und im Zweier-Schlafwagen. Nach kurzer Suche finden wir unseren Wagen und sind begeistert: Zwei gemütliche, frisch gemachte Betten warten auf uns und es gibt sogar ein kleines Waschbecken mit Spiegel. Auf den Betten liegen zwei kleine Pakete mit nützlichen Utensilien für die Nacht: Ohrstöpsel, Hausschuhe, Zahnbürste und ein kleines Handtuch. Da wir aber alles selber dabei haben und Müll vermeiden möchten, verwenden wir nichts davon und legen die Päckchen unausgepackt für die nächsten Fahrgäste zur Seite. Der nette Schaffner kommt vorbei, zeigt uns, wie wir die Wagontür abschließen und wo wir die nächste Toilette finden und wünscht uns dann eine gute Nacht. Am nächsten Morgen wird er uns um kurz nach sechs wecken.

Draußen ist es schon länger dunkel und wir sehen nur vereinzelt Lichter vorbeiziehen. Langsam werden wir müde und machen es uns in den Betten gemütlich. Weil ich ein wenig Höhenangst habe und nachts nicht klettern möchte, wenn ich zur Toilette muss, nimmt Andreas netterweise den Platz auf der oberen Liege.

Info: Die Fahrt mit dem Nachtzug von Prag nach Krakau im Zweier-Schlafwagen der Tschechischen Bahn hat pro Person 40 Euro gekostet. Die Fahrt im ÖBB Nightjet von Wien nach Köln 100 Euro pro Person.

Ganz schön gemütlich der Schlafwagen!

In den Schlaf gewiegt

Als wir das Licht ausmachen merke ich, wie ich langsam zur Ruhe komme. Ein wenig dauert es noch, bis ich einschlafen kann, aber schließlich wiegen mich das leichte Wackeln und das gleichmäßige Geräusch des Zuges beim Fahren in einen tiefen Schlaf – so tief sogar, dass ich das mehrmalige Klopfen des Schaffners an der Tür am nächsten Morgen nicht höre. Ich werde erst wach, als Andreas die Wagontür bereits geöffnet hat und der Schaffner fröhlich „Good morning“ sagt. Kurz muss ich überlegen, wo ich eigentlich bin und erinnere mich dann schnell: Nächster Halt Krakau!

Info: Meine Berichte zu Krakau und meine Geheimtipps für Prag kannst du hier lesen. Hier kannst du alle Stationen der insgesamt knapp einen Monat langen Zug- und Busreise durch Osteuropa nachlesen.
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Abenteuer Nachtzug

Kurz vor der Ankunft wird es dann nochmal etwas abenteuerlich: Während wir noch in unserem Schlafwagen sitzen und uns wundern, warum der Zug an einem kleinen Bahnhof kurz vor Krakau so lange stehenbleibt, klopft der Schaffner aufgeregt an der Tür und teilt uns mit, dass wir in den vorderen Zugteil umsteigen müssen – der fährt ohne den hinteren Teil mit den Schlafwagen weiter über Krakau bis nach Warschau. Durch die geschlossene Tür des Schlafwagens haben wir nichts mitbekommen und müssen nun etwas hektisch aufspringen und zum vorderen Zugteil laufen. Dort angekommen sind wir erleichtert, dass wir es geschafft haben und nicht im abgekoppelten Schlafwagen kurz vor dem Ziel zurückgelassen wurden.

Mit dem Nachtzug durch Europa: Der ÖBB Nightjet von Wien nach Köln

Knapp drei Wochen später, am Ende unserer Reise, fahren wir noch einmal mit dem Nachtzug: Mit dem ÖBB Nightjet geht es von Wien zurück nach Köln. Auch dort haben wir einen Zweier-Schlafwagen gebucht, der ähnlich gemütlich ist wie im Nachtzug der Tschechischen Bahn von Prag nach Krakau. Die ÖBB hat neben den üblichen Schlafutensilien sogar zwei kleine Flaschen Sekt bereitgestellt. Ich verzichte, stoße aber mit einer Flasche Wasser mit Andreas auf unsere wunderschöne und abenteuerliche Reise an.

Am nächsten Morgen weckt uns der Schaffner wieder einige Zeit vor der Ankunft. Ich blicke aus dem Fenster und blinzele diesmal nicht in die Sonne, sondern auf das von Nebel umhüllte Rheintal. „Willkommen zu Hause“, denke ich mir und schaue noch eine Weile aus dem Fenster, während ich langsam wach werde und mich auf die Rückkehr nach dreieinhalb erlebnisreichen Wochen einstelle.

Auch im Herbst steht wieder eine längere Zugreise durch Europa an: Mit dem Thalys und dem TGV werden wir über Paris und Barcelona bis in einen kleinen Ort an der spanischen Costa Daurada fahren.

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Bist du selber schon mal mit dem Nachtzug gefahren? Ich freue mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren! Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn gerne auf Facebook und Twitter.

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6 thoughts on “Durch die Nacht – Reisen mit dem Nachtzug in Europa

  1. Ich habe Interrail in den 80er Jahren gemacht, damals gab es noch Abteile, in denen man die sitze so ausziehen konnte, dass eine grosse Schlaffläche entstand. Dann die Gardinen zugezogen – und gute Nacht! Für Schlafwagen hatten wir damals nicht genug Geld. Viele Grüsse Der Gute Reisende

  2. Hey, finde ich toll. Bislang habe ich über Schlafwagen gar nicht nachgedacht, weil es mir immer total schwer fällt einzuschalfen. Nachtbus wäre z.B. gar nichts für mich. Aber so wie du schreibst, klingt das eigentlich ganz komfortabel. Ich überlege auch nach Wien zu fahren und würde von Düsseldorf aus starten. Ich werde auf jedenfall die Nachtzug Verbindungen checken 🙂

    LG Denise

  3. Ich bin im Nachtzug mal von Bingen nach Köln, mein 1. Klasse Abteil Platz war von irgendwelchen Leuten belegt die quer über die Sitze lagen, ein Schaffner musste ich ewig suchen und hilfreich war der auch nicht „Dann vertreiben sie die Leute halt“
    Danke…das war nix
    Für Schlafwagen war die Fahrt zu kurz und ich bildete mir ein ich käme so zur Ruhe

    1. Hallo Martina,
      das ist echt schade, dass du so eine blöde Erfahrung gemacht hast – aber ich glaube, das gehört beim Reisen (egal mit welchem Verkehrsmittel) auch dazu. Ob es nun der Stau auf der Autobahn oder gleich die Totalsperrung ist, der Pilotenstreik oder der Flugausfall beim Fliegen oder eben eine solche Erfahrung im Zug. Ich finde das Reisen mit dem Nachtzug dennoch eine wunderbare Art des Reisens und möchte sie nicht mehr missen. 🙂
      Liebe Grüße
      Marcella

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