Mit dem Zug von Brühl nach Zagreb

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Auf unserer Zugreise von Brühl via München nach Zagreb queren wir mit dem Eurocity Österreich und Slowenien. Wir genießen den Blick auf die Alpen und ihre Ausläufer. Die Anreise wird zum Teil des Urlaubs.

Wer kennt nicht dieses Gefühl, am Morgen des ersten Urlaubstages aufzuwachen und zwar müde, aber gleichzeitig irgendwie hellwach zu sein: aufgeregt, voller Vorfreude und gespannt auf das, was die bevorstehende Reise bringen wird.

So geht es meinem Freund Andreas und mir, als wir am Morgen unserer Zugreise von Brühl nach Zagreb aufstehen. Es ist noch dunkel und mitten in der Nacht, aber es liegt ganz viel Reiselust in der Luft. Die Rucksäcke sind schon gepackt und stehen bereit – die nächsten 3,5 Wochen werden wir in Kroatien unterwegs sein und heute machen wir uns mit dem Zug auf den Weg dorthin. Unsere erste längere Zugreise in Europa.

Die letzte Müdigkeit weicht schnell: Um 4.44 Uhr werden wir mit dem ersten Zug des Tages von Brühl zum Kölner Hauptbahnhof fahren. Wir gönnen uns ein kleines Frühstück, machen uns Proviant für die Fahrt und packen die letzten Kleinigkeiten ein. Überpünktlich – aus Angst, den Zug zu verpassen – stehen wir schließlich mit unseren riesigen Rucksäcken am Gleis. Das erste Licht der Dämmerung ist schon zu sehen.

Gleich geht es los nach Zagreb: Warten auf den Zug am Bahnhof Brühl

Kurz vor der Abfahrt am Bahnhof in Brühl. Langsam fängt es an zu dämmern.

Mit Hochgeschwindigkeit nach München

Der Kölner Hauptbahnhof ist noch leer und nur wenige der Geschäfte haben schon geöffnet. Wir überbrücken ein wenig Wartezeit, bis unser ICE zu unserem kurzen Zwischenstopp München abfährt. Als wir in den Zug einsteigen, macht sich noch einmal die Aufregung bemerkbar: Jetzt geht es wirklich los, mit dem Zug nach Kroatien! Die 4,5 Stunden Fahrtzeit nach München vergehen wie im Flug – wir schauen aus dem Fenster, unterhalten uns, machen zwischendurch die Augen zu und essen unsere geschmierten Brötchen. Und schon sind wir in Süddeutschland!

In München haben wir knapp zwei Stunden Zeit, bis unser Anschlusszug nach Zagreb abfährt. Dank der App HappyCow, einem Verzeichnis und Bewertungsportal für vegetarisch-vegane Restaurants weltweit, steuern wir zielstrebig auf das Royal Veggi Döner Kebabhaus direkt am Münchener Hauptbahnhof zu (Anmerkung: Leider musste diese Filiale aufgrund von Baumaßnahmen der DB inzwischen schließen, es gibt aber eine weitere Filiale am Münchener Ostbahnhof). Dort gibt es köstliche vegane Dürüm Döner-Wraps mit Seitanfüllung und einen bunten Gemüseteller. Satt und zufrieden schnallen wir uns die Rucksäcke wieder auf und laufen vor der Weiterfahrt Richtung Zagreb noch einmal kurz durch die Münchener Innenstadt. Aber zu weit möchten wir nicht laufen, denn der Zug soll auf keinen Fall ohne uns losfahren.

Veggie-Döner und Gemüseteller beim Zwischenstop in München

Zwischenstopp in München mit Veggie-Döner und Gemüseteller

Im Eurocity quer durch Österreich und Slowenien

Als wir in den Eurocity steigen stellen wir fest, dass unsere reservierten Plätze in einem 6er-Abteil sind, in dem schon drei Personen sitzen und ihr Gepäck verteilt haben. Es wird eng: Bei dem Versuch, unsere großen Rucksäcke auch noch im Abteil zu verstauen, kommt mir spontan die Tetris-Melodie in den Kopf. Andreas hebt und schiebt die Koffer im gesamten Abteil so lange hin und her, bis auf den oberen Ablagen genug Platz für unsere Rucksäcke ist. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Metallgestänge dem Gewicht standhalten.

Doch das ist, wie sich schnell herausstellt, das kleinere Problem: Im Abteil sitzen neben einer älteren Dame auch zwei Männer, von denen einer Spaß daran hat, mich immer wieder für längere Zeit anzustarren. Nach einiger Zeit fühle ich mich unwohl und schlage Andreas vor, einen Spaziergang durch den Zug zu machen. Dabei stellen wir fest, dass es im Zug noch genügend freie Plätze gibt. Zwar haben wir gerade unsere Rucksäcke erfolgreich verstaut, dennoch beschließen wir, aus dem engen Abteil in einen freien Vierer-Sitzbereich im Großraumwagen zu wechseln. Schließlich liegen noch ca. sieben von 8,5 Stunden Fahrt vor uns.

Zugreise: Entspannt mit gutem Ausblick

Entspannt sitzen wir im Zug, schauen aus dem Fenster und bestaunen die Alpengipfel

Je weiter wir nach Österreich hineinfahren, desto spektakulärer wird die Aussicht. Die Route geht über Salzburg und später u.a. durch die Orte Bad Gastein und Villach, die am Rande des Nationalparks Hohe Tauern liegen. Nachdem wir an Almen, Wiesen und Bergen vorbeigefahren sind, bestaunen wir nun immer höhere, teilweise verschneite Alpengipfel. Begeistert schauen wir zum Fenster hinaus und versuchen, die Gipfel im Fahren mit der Kamera festzuhalten. Zwischendurch spielen wir ein wenig Stadt-Land-Fluss, unterhalten uns und machen uns über den restlichen Proviant her. Rasend schnell sind bereits fünf Stunden Fahrtzeit vergangen – und plötzlich sind wir in Slowenien! Hier sind die Berge nicht mehr ganz so hoch und auch nicht mehr verschneit. Die Sonne scheint und die Wiesen und Hänge leuchten grün.

Hohe Alpengipfel können wir auf der Zugreise nach Zagreb bestaunen

Blick aus dem Zug auf der Strecke München-Zagreb

In Slowenien sind die Berge nicht mehr ganz so hoch

Die Ausläufer der Alpen in Slowenien

Die Fahrt geht weiter und wir halten u.a. in in den slowenischen Städten Lesce-Bled, Kranj und der Hauptstadt Ljubljana. Wir bekommen Lust, auf einer zukünftigen Reise Slowenien zu erkunden! Aber nun liegt erst einmal Kroatien vor uns.

An der slowenisch-kroatischen Grenze wird es kurz noch einmal spannend. Obwohl die meisten Fahrgäste schon lange im Zug sitzen, es draußen bereits dunkel ist und alle sich auf die Ankunft in Zagreb freuen, muss der Zug eine Zeit lang stehen bleiben: Hinein kommen ca. ein Dutzend Polizist*innen, sowohl slowenische als auch kroatische, und wollen von allen Fahrgästen die Pässe und Personalausweise sehen. Die Fahrgäste werden angewiesen, sich hinzusetzen und die Polizist*innen machen nicht die freundlichsten Minen – die Stimmung ist kurz angespannt. Als schließlich alle Fahrgäste kontrolliert sind, können wir endlich weiterfahren.

Zugreise: Die Strecke bewusst wahrnehmen

Es dauert nicht mehr lange und wir sind angekommen: Zagreb Hauptbahnhof! Inzwischen ist es fast 21 Uhr. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zum Palmers Lodge Hostel. Wir werden freundlich empfangen und verbringen eine erholsame Nacht im Doppelzimmer.

Als ich im Bett liege wird mir klar, wie weit wir gereist und wie weit weg von zu Hause wir nun sind. Schließlich habe ich auf der Zugreise, anders als es sonst auf Reisen im Flugzeug war, die Strecke ganz bewusst wahrgenommen und erlebt. Mit vielen tollen Bildern und Eindrücken im Kopf und voller Vorfreude auf die bevorstehenden Wochen schlafe ich ein.

Am nächsten Morgen werden wir uns ins Stadtleben von Zagreb stürzen!

Der Bahnhofsvorplatz in Zagreb bietet einen schönen Ausblick

Endlich angekommen: Blick vom Bahnhofsvorplatz von Zagreb am nächsten Morgen

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2 thoughts on “Mit dem Zug von Brühl nach Zagreb

  1. Hey,
    vielen Dank für die Inspiration. Ich bin grade auf einer längeren Reise um die Welt und denke auch viel über langsames und vor allem nachhaltiges Reisen nach.
    Da Zagreb auch noch auf meiner Bucket-Liste steht und mir dein Bericht so gut gefallen hat, werde ich da definitiv nicht mit dem Flugzeug, sondern auch mit dem Zug zu hin reisen!
    Gruß Carmen

    1. Liebe Carmen,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar! 🙂
      Das klingt ja spannend, wo bist du denn überall unterwegs?
      Ich freue mich, dass dir mein Bericht gefallen hat und wenn er dich inspiriert, die Strecke auch mal mit dem Zug zu fahren. Es lohnt sich wirklich sehr! 🙂
      Ganz viel Spaß noch auf deiner weiteren Reise!
      Marcella

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