Augsburg, meine Kamera und ich – alleine reisen

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Augsburg, meine Kamera und ich – alleine reisen

Der Gedanke an einen Urlaub alleine weckt bei vielen Menschen negative Gefühle. Auch ich hatte Zweifel und Angst vor dem alleine Reisen – bei einem spontanen Städtetrip nach Augsburg konnte ich sie überwinden. Warum es sich lohnt, alleine Urlaub zu machen.

Sommer, Sonne, Augsburg und ich – Kurzurlaub alleine

Sommer in Augsburg: Aus den Biergärten schallen Gespräche, an den Cafés und Restaurants sitzen Menschen draußen und unterhalten sich, auf dem großen Rathausplatz treffen sich viele junge Leute, um gemeinsam den sonnigen Tag in der Stadt zu genießen.

Und dann bin da noch ich. Alleine. Für einen beruflichen Termin bin ich relativ spontan für zweieinhalb Tage nach Süddeutschland gereist. Die perfekte Gelegenheit, den an sich schon aufregenden Termin – ein Fernsehinterview mit dem Bayerischen Rundfunk – mit einem Städtetrip nach Augsburg zu kombinieren. Urlaub alleine also.

Augsburg Rathausplatz

Auf dem Augsburger Rathausplatz treffen sich viele Menschen, um gemeinsam den sonnigen Tag zu genießen

Alleine reisen – ist das nicht komisch?

Der Gedanke daran, alleine zu reisen, löst bei mir auch negative Gefühle aus. Was, wenn ich mich nicht zurechtfinde? Was, wenn irgendwas passiert? Alleine essen gehen – ist das nicht komisch? Die ganze Zeit alleine verbringen – was soll ich denn da machen? Diese Zweifel kennen vermutlich viele Menschen, die sich alleine auf den Weg auf eine kürzere oder auch längere Reise machen. Ist ja auch logisch – wir Menschen sind schon ziemlich soziale Wesen und mögen die Gesellschaft anderer.

Eigentlich hatte ich mir aber ohnehin vorgenommen, mal wieder öfter etwas alleine zu unternehmen – weil ich glaube, dass es eine bereichernde Erfahrung sein kann, dass es selbstbewusst macht und dass es wichtig ist, ganz unabhängig von anderen Menschen eine schöne Zeit haben zu können.

Da bin ich jetzt also. Es ist Sommer, es ist warm, ich bin in einer schönen Stadt und habe Zeit, sie zu erkunden.

Info: Hier findest du ein Interview mit der Wandersfrau Jessica zum alleine Wandern als Frau: Alleine Wandern: „Mehr Frauen in den Wald!“ Jessica gibt Wanderkurse zum selbstsicheren Wandern. Einen Bericht zu den Kursen gibt es hier: Selbstsicher wandern im Siebengebirge.

Weberhaus Augsburg

Das Weberhaus in Augsburg.

Vegan in Augsburg – alleine essen gehen

Nach meiner Anreise mit der Bahn und dem Check-in im Hotel mache ich mich auf den Weg Richtung Augsburg Altstadt. Ich habe mir vor dem Kurztrip ein paar Fotos der Stadt angesehen, die in mir die Lust geweckt haben, selber die vielen schönen Gebäude, Straßen und Gassen zu erkunden und Fotos davon zu machen. Meine Kamera ist deshalb immer mit im Gepäck.

Erst einmal treibt mich aber der Hunger an: Wie so oft auf Reisen befrage ich die App Happy Cow nach veganen Restaurants in der Nähe und navigiere mich mithilfe meines Smartphones zu Mom’s Table, einem von mehreren veganen Restaurants in Augsburg. Hier gibt es leckere Gerichte in bio-Qualität – Salate, Bowls, Smoothies und vieles mehr. Draußen kann man mit Blick auf die berühmte St. Ulrich-Kirche unter Schatten spendenden Sonnenschirmen sitzen.
Ungewohnt ist es zunächst einmal schon, als ich ganz alleine am Tisch sitze und auf das Essen warte. Aber ich gewöhne mich schnell daran, genieße meinen Eistee und den Ausblick, sehe Menschen – alleine, zu zweit oder in Gruppen – vorbeilaufen, schnappe Gesprächsfetzen auf und komme zur Ruhe, während ich in meinen eigenen Gedanken versinke.

Eine Fototour durch die Augsburger Altstadt

Gestärkt mache ich mich auf den Weg Richtung Rathausplatz und bleibe zwischendurch immer wieder stehen, um Fotos zu machen. Bei der Touristeninfo hole ich mir einen Stadtplan und gehe dann einfach drauf los.

Ich laufe zu einigen Gebäuden, die im Stadtplan markiert sind, mache aber auch Abstecher in kleine Gässchen und durch grüne Parks. Immer wieder denke ich mir „Ist das schön!“, und habe dann kurz das Bedürfnis, das Schöne direkt mit jemandem zu teilen. Stattdessen bleibe ich eine Zeit lang stehen, packe meine Kamera aus, schaue mir alles genau an und nehme mir die Zeit, Fotos aus verschiedenen Perspektiven zu machen, auszuprobieren, den Fokus zu verändern. Ich freue mich schon jetzt darauf, die Fotos später anderen zu zeigen – zwischendurch schicke ich schon mal das eine oder andere an Freund*innen.

Die Augsburger Wassersysteme – Welterbe-Bewerber Augsburg

Besonders faszinieren mich die vielen kleinen Kanäle in Augsburg. Durch viele Straßen plätschert und fließt das Wasser, an einigen Stellen gibt es alte Wasserräder aus Holz. Das Kanalnetz in Augsburg ist insgesamt beeindruckende 640 Kilometer lang und Bestandteil der historischen Augsburger Wasserwirtschaft. Die Kanäle versorgen vermutlich schon seit dem 8. Jahrhundert die Stadt mit Wasser aus Flüssen und kleinen Bächen rund um Augsburg herum. Aktuell informieren Plakate darüber, dass die Stadt die Wassersysteme als Weltkulturerbe auszeichnen lassen möchte.

Ich laufe immer weiter durch die Augsburger Altstadt und an den Kanälen entlang bis zur Stadtmauer und orientiere mich mithilfe des Stadtplans. Ab und zu muss ich stehenbleiben, um mich zurechtzufinden. Wo bin ich gerade, und wo gehe ich am besten weiter lang? Ich bin positiv überrascht, wie gut ich mich alleine orientieren kann. In den letzten Urlauben und auch während der dreieinhalb Wochen langen Zug- und Busreise durch Osteuropa hat meistens mein Freund Andreas uns durch die Städte navigiert.
Nun gehe ich voll darin auf, durch die Stadt zu laufen, die besten Wege zu suchen und mir viel Zeit zum Fotografieren zu nehmen. Als ich irgendwann mal wieder auf die Uhr schaue, bin ich überrascht, wie spät es schon ist. Nach unzähligen gelaufenen Kilometern mache ich mich langsam auf den Weg zurück zum Hotel.

Die Augsburger Fuggerei – die älteste Sozialsiedlung der Welt

Am nächsten Tag verbringe ich den halben Tag beim Dreh mit dem Bayerischen Rundfunk und mache mich am Nachmittag noch einmal auf den Weg in die Stadt. Nach dem anstrengenden und aufregenden Tag gehe ein zweites Mal vegan essen – dieses Mal im Restaurant Dreizehn in der Mühle direkt in der Augsburger Altstadt. Es fühlt sich schon weniger ungewohnt an, alleine am Tisch zu sitzen. Ich bin stolz auf mich und froh, das Fernsehinterview gemeistert zu haben und jetzt das Essen und den Rest des Sommertages zu genießen.

Info: Im Restaurant Dreizehn in der Mühle direkt in er Innenstadt von Augsburg gibt es auch leckeres veganes Frühstück.

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg zur Fuggerei – die älteste Sozialsiedlung der Welt. Eine kleine Stadt in der Stadt mit 67 Häusern, in denen auch heute noch 150 bedürftige Augsburger Bürger*innen leben – für 0,88 Euro Jahreskaltmiete!
Die sandgelben Häuser der Siedlung sind mit sattgrünen Weinblätter bewachsen und die Abendsonne taucht alles in ein goldenes Licht. Mein Fotoherz blüht noch einmal auf und ich lasse mir viel Zeit zum Erkunden und Entdecken. Viel ist nicht los in der gemütlichen Siedlung – ab und zu treffe ich Bewohner*innen, die mich nett grüßen. Mit vielen schönen Eindrücken und Fotos im Gepäck laufe ich schließlich quer durch die Altstadt und zurück zum Hotel. Auf dem Weg finde ich noch einmal viele tolle Fotomotive und andere, neue Perspektiven auf die schönen Gebäude.

Wieder bin ich viele Kilometer gelaufen und falle im Hotel müde ins Bett. Trotz der Zweifel am Anfang hatte ich eine tolle Zeit alleine in Augsburg. Wie schon vermutet, lohnt es sich, alleine zu reisen – auch wenn es erst einmal Überwindung kostet.

Info: Bald stelle ich euch in einem Artikel meine Tipps zusammen, wie ihr die Angst vor dem alleine Reisen überwindet. Damit ihr nichts verpasst, folgt mir doch gerne auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Zum Weiterlesen: Das könnte dich auch interessieren: Urlaub in Deutschland – ein Plädoyer für die kleinen Auszeiten vor der Haustür. Mehr Reiseberichte gibt es in der Rubrik Nachhaltig reisen.

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