Wandern in der Hohen Tatra – durch Nebel und Wasserfälle

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Wandern in der Hohen Tatra in der Slowakei

Wandern in der Slowakei: In der Hohen Tatra sind Naturerlebnis und spektakuläre Ausblicke garantiert. Auf unserer Tour erleben wir das Gebirge in mystischer Stimmung – wir wandern durch Nebel und Wasserfälle und begegnen einem wilden Tier.

Auf in die Berge

Endlich! Es geht in die Berge! Im Bus auf dem Weg von Krakau in den kleinen slowakischen Ort Stary Smokovec am Fuße der Hohen Tatra schauen Andreas und ich gespannt aus dem Fenster: Wann können wir die ersten Gipfel sehen? Wir fahren durch viele kleine Orte, die Umgebung wird ländlicher, grüner und hügeliger – und schließlich sehen wir sie, die ersten hohen Berge. Auf dem Weg hat sich allerdings auch die Sonne verabschiedet: Die Gipfel sind von dunklen Wolken umhüllt. Ein paar spannende Wandertage liegen vor uns. Die Hohe Tatra ist der höchste Teil der Karpaten und damit ein echtes Wanderparadies.

Info: Wer von Krakau aus in den slowakischen Teil der Hohen Tatra fahren möchte, nimmt am besten den Bus. Das Busunternehmen Leo Express fährt täglich nach Poprad. Wer, wie wir, weiter in den kleinen Ort Stary Smokovec möchte, kann von Poprad aus mit dem Zug weiterfahren. Die Busfahrer von Leo Express sind aber auch oft so nett und bringen die Fahrgäste direkt in den Ort.

Seilbahn Hrebienok

Mit einer Landseilbahn geht es von Stari Smokovec aus hinauf zum Bergkamm Hrebienok

Hohe Tatra: Hotel am Bergkamm Hrebienok

Von Stary Smokovec aus fahren wir mit einer Landseilbahn hinauf in die Berge, zum Bergkamm Hrebienok. Dort haben wir uns schon vor der Reise ein Zimmer in einem kleinen Berghotel gemietet. Da ich mir letztes Jahr beim Sport das Kreuzband gerissen habe, ist noch keine lange Wandertour von Hütte zu Hütte und mit großem Gepäck möglich. Deshalb werden wir vom Hotel aus Tagestouren unternehmen.

Das Hotel Bilikova Chata liegt auf 1255 Metern inmitten der Bergwelt der Hohen Tatra. Von unserem gemütlichen Zimmer aus haben wir einen tollen Ausblick auf die Gipfel – wenn nicht gerade so dichte Nebelschwaden aufziehen, dass wir nur noch bis zu den nächsten Bäumen blicken können. Am ersten Abend sind wir die einzigen Gäste im Hotel und genießen die Panoramasauna mit Blick auf die Gipfel.

Lunch with a view: Blick auf die Berge

Das einzige Manko am Hotel: Überall auf den Gängen und im Essraum hängen ausgestopfte Tiere und Felle von toten Tieren – für uns als VeganerInnen wirklich kein schöner Anblick. Die jungen Leute, die das Hotel leiten, scheinen selber aber nicht zu jagen und bereiten uns sogar extra riesige vegane Salate zu. Also machen wir das Beste aus der Situation und blicken mit Vorfreude auf die erste Wanderung.

Nebel, Wasserfälle und ein Fuchs

Eine Tour zum Bergsee Sklanaté Pleso

Trotz dichter Wolken und leichtem Nieselregen machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zur ersten Wanderung. Die Route führt von unserem Hotel hinauf auf 1751 Meter, zum Bergsee Sklanaté Pleso. Der See liegt direkt unterhalb des Lomnický štít, mit 2634 Metern der zweithöchste Berg der Hohen Tatra und somit auch der gesamten Karpaten.

Vom Tal aus führt auch eine Seilbahn zu dem Bergsee. Von dort aus kann man mit einer weiteren Seilbahn auf den Lomnicky Stít hinauffahren. Unser Plan: Wir wandern zum Bergsee und fahren dann mit der Seilbahn weiter nach oben auf den Lomnický štít. Dass der Plan so nicht funktionieren wird, wissen wir noch nicht, und laufen freudig los.

Durch das Tatra-Gebirge fließen viele Bäche. An manchen Stellen plätschern sie sanft, an anderen rauschen sie als reißende Wasserfälle die grauen Felsen hinunter. Wasserfälle und Berge – beides alleine finde ich schon faszinierend. Hier in der Hohen Tatra möchte ich von den Stellen, an denen wir über kleine Brücken über das rauschende Wasser hinweglaufen und dabei auf die beeindruckende Bergkulisse schauen, gar nicht mehr weggehen. Wir nehmen uns viel Zeit, um das Naturschauspiel zu genießen und Fotos zu machen.

Info: Die Wanderwege in der Hohen Tatra sind sehr gut beschildert! Wenn du mit Wanderkarte wandern möchtest, empfiehlt es sich, dir bereits im Vorhinein eine zu kaufen. Denn nicht alle Berghotels bieten Wanderkarten an und in den Seilbahnstationen sind sie häufig teurer.

Mystische Stimmung im Nebel

Ein Serpentinenweg führt uns immer weiter hinauf und schließlich an einen Hang, der noch ein paar Kilometer geradeaus hinauf zum Bergsee führt. Vom Hang aus ziehen plötzlich dicke Nebelschwaden auf. Innerhalb weniger Minuten können wir nicht mehr hinunterschauen und nur noch die nächsten, wenige Meter entfernten Bäume gerade so erkennen. Der Nebel umhüllt uns und schluckt jegliche Geräusche aus der Umgebung. Obwohl ich natürlich gerne bei sonnigem Wetter wandere, ist es für mich ein besonderes Erlebnis, die Berge in dieser düsteren, mystischen Stimmung zu erleben.

Wir laufen den Hang weiter hinauf, bis wir schließlich in der Nähe der Seilbahn sind. Die hohen Masten erscheinen im Nebel ein wenig unheimlich und von der Seilbahn selbst hören wir nur zwischendurch Fahrgeräusche, die immer wieder unterbrochen werden. Gondeln sehen wir nicht und auch nach anderen Menschen suchen wir vergeblich.

Als wir schließlich am See Sklanaté Pleso und der Seilbahnstation ankommen, ist das Bild nicht weniger unheimlich: Auf einem Spielplatz ragen Tier-Holzfiguren aus dem Nebel und von den Gebäuden können wir zunächst nur die Konturen erkennen. Als wir schließlich davor stehen, bemerken wir: Sie sind geschlossen, ebenso wie das Restaurant an der Station. Schließlich finden wir ein Schild: Die Seilbahn ist momentan außer Betrieb und wird gewartet. Gut, bei dem Nebel hätte es sich ohnehin nicht gelohnt, auf den zweithöchsten Berg des Tatra-Gebirges hinaufzufahren.

Begegnung mit einem Fuchs? Schon möglich beim Wandern in der Hohen Tatra

Nach einer kurzen Pause machen wir uns also wieder auf den Weg nach unten. Es wird etwas weniger nebelig, dafür fängt es an zu regnen. Wir ziehen uns die Kapuzen unserer Regenjacken über die Köpfe und laufen konzentriert die steinigen, nassen und teils rutschigen Wege hinab. Als wir fast unten angekommen sind, kommt uns auf dem Weg etwas entgegen: Ein Fuchs läuft geradeaus auf uns zu! Überrascht, euphorisch und auch ein wenig ängstlich bleibe ich auf dem Weg stehen. So langsam und leise wie möglich krame ich mein Handy aus der Regenjacke. Der Fuchs läuft weiter auf uns zu, wird direkt vor uns kurz langsamer, schaut uns etwas skeptisch an und läuft schließlich auf dem schmalen Weg ganz nah an uns vorbei.
Danach bleibt er noch einmal stehen, blickt zu uns zurück, als wenn er genau wie wir von dieser spontanen Begegnung angetan ist, und geht schließlich weiter seines Weges. Fasziniert schauen wir ihm hinterher, bis er hinter der nächsten Kurve verschwindet.

Der Regen ist vergessen und glücklich machen wir uns auf den weiteren Rückweg zu unserem Berghotel. Im letzten Jahr sind wir beim Wandern im kroatischen Velebit-Gebirge bereits einem Bären begegegnet – und nun also hier in der Slowakei einem Fuchs. Tiere in freier Wildbahn zu erleben ist für mich einer der schönsten Glücksmomente beim Wandern. Müde, aber glücklich kommen wir schließlich zum Hotel zurück.

Abschied von den Bergen – see you again, Hohe Tatra

Auch am nächsten Tag machen wir uns noch einmal auf den Weg: Dieses Mal wandern wir das Tal des Bergkamms Hrebienok hinauf, wo wir noch einmal die Wasserfälle und wunderschöne Ausblicke das Tal hinunter genießen. Dieses Mal erleben wir sogar einige sonnige Momente und es ist nicht mehr so nebelig wie am Tag zuvor.

Voller schöner Eindrücke und Erfahrungen verabschieden wir uns am nächsten Tag von der Hohen Tatra. Mit der Seilbahn fahren wir wieder hinunter nach Stary Smokovec. Von dort aus geht es mit dem Zug weiter in die ostslowakische Stadt Košice. Noch über zwei Wochen unserer insgesamt knapp einen Monat langen Zug- und Busreise durch Osteuropa liegen vor uns. Eines der Highlights liegt nun hinter uns. Hohe Tatra, wir sehen uns bestimmt noch einmal wieder!

Info: Hier kannst du alle bisherigen Berichte der Osteuropareise nachlesen. Die Reiseberichte zur ostslowakischen Stadt Košice und den weiteren Stationen gehen in den nächsten Wochen auf dem Blog online. Wenn du über neue Beiträge informiert werden möchtest, folge mir doch gerne bei Facebook, Twitter oder Instagram.

Stary Smokovec Bahnhof

Tschüss, Hohe Tatra! Von Stary Smokovec aus fahren wir nach Košice.

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7 thoughts on “Wandern in der Hohen Tatra – durch Nebel und Wasserfälle

  1. Das sind super schöne Bilder aus den Bergen!
    Ich persönlich mag sie ja nur zum Ski-Fahren – Wandern ist so gar nicht meins.
    Aber angesichts dieser Bilder sollte ich meine Meinung vielleicht noch einmal überdenken!

  2. Wow, die Bilder sind echt beeindruckend! Sieht nach einer tollen Wanderung aus.
    Die Nebelbilder erinnern mich an eine meiner letzten Wanderungen – auf den Färöern. Da hatten wir auch keine 20 Meter Sicht.
    Liebe Grüße
    Julie

  3. Wow, da hast du aber grandiose Bilder gemacht! Sieht nach einem tollen Ausflug aus.
    Eine Freundin hat mir erst letztes von ihrer Städtereise nach Krakau erzählt, auch das hat sich so angehört als müsste ich da unbedingt mal hin – vielleicht verbinde ich das ja mal, wäre eine Idee.

    Vielen Dank für die tollen Einblicke.

    Viele Grüße
    Isa von  lustloszugehen

  4. Hallo Marcella, vielen Dank für deinen Bericht über die Hohe Tatra. Er wird uns helfen, da wir selbst bald dahin fahren werden. Wir sind ebenfalls Veganer. War es für euch schwierig veganes Essen zu bekommen oder wurdet ihr meist im Hotel versorgt? Viel Spaß noch auf euren kommenden Reisen, Elli und Alex

    1. Hallo Elli und Alex,

      ohhh wie schön, da wünsche ich euch schonmal ganz, ganz viel Spaß! 🙂
      Also wir waren ja in der Bilikova Chata untergekommen, einem kleinen Berghotel am Bergkamm Hrebienok. Dort waren die jungen Menschen, die das Hotel geführt haben, wirklich extrem nett und sie haben uns immer einen grooooßen Salat und Kartoffelecken extra zubereitet. Ich weiß natürlich nicht, ob das auch in anderen Hütten und Hotels in der Tatra geht, aber ein Salat und Kartoffelecken, das müsste eigentlich immer gehen.
      Und, was mich überrascht hat: In dem Supermarkt in Stary Smokovec gab es Sojamilch und sogar Räuchertofu zu kaufen! Dort haben wir uns gut eingedeckt, bevor wir nach oben gefahren sind.
      Ihr solltet übrigens unbedingt mal „Tatra Tea“ probieren – ein Likör aus Tee, den gibt es in verschiedenen Sorten.

      Ganz viel Spaß euch und liebe Grüße
      Marcella

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