Dubrovnik – zwischen Adria-Zauber und Massentourismus

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Dubrovnik – zwischen Adria-Zauber und Massentourismus

Dubrovnik abseits der Touristenpfade – das ist eine echte Herausforderung. Die berühmte Stadt im Süden Kroatiens liegt direkt am adriatischen Meer und fasziniert mit ihrem historischen Zentrum und der imposanten mittelalterlichen Stadtmauer. Aber Dubrovnik hat auch ein Problem: Den Massentourismus.

Per Nachtbus von Zagreb nach Dubrovnik

Im Halbschlaf bemerke ich, wie jemand leicht an mir rüttelt. Verschlafen mache ich die Augen auf und sehe, dass vor mir der Busfahrer steht und meinen Personalausweis einsammeln möchte. Wir sind im Nachtbus von Zagreb im Norden nach Dubrovnik im Süden Kroatiens. Der Bus fährt entlang der Küste, von der ein schmaler Landstreifen zu Bosnien und Herzegowina gehört. Beim Passieren der Grenze werden die Ausweise und Pässe der Bus-Passagiere überprüft. Es ist ca. 7 Uhr morgens, draußen ist es schon hell.

Am Vorabend haben wir uns nach einem aufregenden Tag in Zagreb auf den Weg nach Dubrovnik gemacht. Die Nacht im Bus war unruhig, aber irgendwann bin ich dann doch in einen leichten Schlaf gefallen. Da der Bus nicht voll ist, sitzt mein Freund Andreas in der Sitzreihe vor mir. So konnten wir uns zum Schlafen wenigstens ein bisschen ausbreiten. Auch Andreas ist inzwischen wach und kramt nach seinem Ausweis.

Beim Blick nach draußen kommt Freude auf: Wir sind am Meer, an der Adria! Nach knapp 30 weiteren Kilometern erreichen wir am frühen Morgen unser Ziel Dubrovnik.

Der Bus fährt an der adriatischen Küste entlang bis nach Dubrovnik

Blick aus dem Bus am Morgen: Wir sind an der Adria und kurz vor Dubrovnik

Kreuzfahrtschiffe, Billigflüge und Game of Thrones

Der Bus bringt uns zum Hafen von Dubrovnik. Dort liegen zwei große Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Schon am führen Morgen machen sich mehrere Touristengruppen von den schwimmenden Hotelburgen aus auf den Weg in das kleine historische Zentrum von Dubrovnik. Der überfüllte Bus vom Hafen ins Stadtzentrum ist das erste Symptom dessen, was wir bereits im Vorhinein wussten: Dubrovnik hat ein Problem – den Massentourismus.

Spätestens seit die Adria-Stadt als Kulisse der beliebten Mittelalter- und Fantasyserie Game of Thrones dient, ist sie ein Touristenmagnet. Der Kreuzfahrtschiff-Tourismus und die Billigflüge – Dubrovnik hat einen Flughafen und wird von mehreren Charter-Airlines angeflogen – tun ihr übriges. Obwohl wir nicht in der Hochsaison in Dubrovnik sind, erleben wir hautnah, welche Auswüchse der Tourismus haben kann. In der historischen Altstadt zum Beispiel lebten bis vor einigen Jahren noch mehrere tausend Menschen. Heute sind es aufgrund des Massentourismus nur noch knapp 900. Das Herz der Stadt wird so immer mehr zur Kulisse, zum Museum. Als wir vom Bus aus auf den Bürgersteig vor dem Eingang zur Altstadt treten, drücken uns mehrere Touranbieter Flyer für Game of Thrones-Touren in die Hand.

Tipp: Die ARTE-Dokumentation ‚Tourist go home! Europas Sehnsuchtsorte in Gefahr‘ zeigt die Schattenseiten des Tourismus in Städten wie Dubrovnik, Barcelona und Venedig. Angeheizt durch Preisdumping, Billigflüge und Kreuzfahrtschiff-Touren boomt der Städtetourismus in Europa wie nie zuvor. Die Folge: Massentourismus und Bewohner*innen, die sich ihrer eigenen Stadt beraubt fühlen. Die Dokumentation hat mich noch mehr dafür sensibilisiert, bewusst und achtsam zu reisen.

Unsere kleine familiengeführte Unterkunft mit begrüntem Hinterhof ist eine schöne Ruheoase nach der anstrengenden Fahrt und dem Trubel im Stadtbus. Wir nehmen uns Zeit zum ankommen und entscheiden: Bevor wir in die Altstadt gehen, suchen wir uns einen schönen Ort für ein Frühstücks-Picknick im Freien. Auf halbem Weg zur Festung Lovrijenac finden wir eine schöne Stelle. Hier packt uns die Faszination für die Stadt: Wir frühstücken mit Blick auf die Stadtmauer und die davor gelegene Bucht. Da die meisten Tourist*innen direkt in die Altstadt gegangen sind, ist es an unserer Frühstücks-Stelle noch recht ruhig. Wir sind zuversichtlich: Auch in Dubrovnik können wir ruhige und einsame Momente erleben.

Blick aufs Meer und auf die Altstadt von Dubrovnik

Perfekte Stelle für unser Frühstücks-Picknick mit Blick auf die Stadtmauer von Dubrovnik

Die Altstadt früh morgens und den Hausberg Brdo Srd zu Fuß erkunden

Als wir später an unserem Ankunftstag schließlich in die historische Altstadt gehen, ist sie so voll wie erwartet. Viele Menschen und Touristengruppen drängen sich durch die kleinen Gassen. Hier kann man sich mit Papageien fotografieren lassen und Souvenirs für einen Euro kaufen. Aber wir werden auch positiv überrascht: In Dubrovnik gibt es das vegetarische Restaurant Nishta, in einer kleinen Seitengasse gelegen. Dort lassen wir uns das sehr leckere Essen schmecken: Es gibt frisch gepresste Säfte und vegane Gerichte mit viel buntem Gemüse. Auch roh-vegane Gerichte und Desserts stehen auf der Karte.

Beim Essen beschließen wir: Am nächsten Morgen werden wir sehr früh aufstehen – und die historische Altstadt hoffentlich auch einmal menschenleer erleben. Der Plan geht auf: Um kurz vor 6 Uhr am nächsten Morgen, als es gerade hell genug ist, laufen wir über die menschenleere Brücke durch das Stadttor hinein in die Altstadt. Dort bietet sich uns ein ganz anderes Bild als am Vortag: Wo sich tagsüber die Massen drängeln, ist es so früh am Morgen noch ruhig. Ein paar Tauben und nur wenigen Menschen begegnen wir beim Rundgang durch die vielen kleinen Straßen und Gassen. Wir entdecken den kleinen historischen Stadthafen und bewundern die imposanten Gebäude.

Am Nachmittag geht es auf den „Hausberg“ von Dubrovnik, den Brdo Srd. Es gibt eine Seilbahn, die täglich viele Tourist*innen auf 415 Meter nach oben bringt. Die Fahrt ist aber nicht nur teuer, sondern die Kabinen sind auch überfüllt. Da wir uns ohnehin gerne bewegen, entscheiden wir, zu Fuß zu gehen. Außer uns machen das nur wenige andere Menschen und wir werden auf dem Weg nach oben belohnt mit einem einmaligen Blick hinunter auf die Altstadt und das Meer.

Altstadt und Stadtmauer von Dubrovnik und die Burg Lovrijenac

Auf dem Fußweg hinauf zu Berg Brdo Srd: Blick auf Dubrovnik und die Festung Lovrijenac

Botanische Gärten von Trsteno

Am nächsten Tag machen wir noch einen Ausflug in die botanischen Gärten von Trsteno. Der kleine Ort ist mit dem Bus gut zu erreichen. Die Gartenanlagen sind nur mäßig besucht und wir schlendern ganz in Ruhe durch die üppige Fauna und vorbei an interessanten architektonischen Elementen, darunter ein altes Herrenhaus, eine kleine Kapelle und eine schöne Teichanlage.

Blick auf die Adria im botanischen Garten Trsteno

Blick aufs Meer aus den botanischen Gärten von Trsteno

Am nächsten Tag verlassen wir Dubrovnik – trotz der Schattenseiten durch den Massentourismus hat es die Stadt geschafft, uns in ihren Bann zu ziehen. Auch dank der einsamen Momente, die wir gesucht und gefunden haben.

Unsere nächste Station ist nach Zagreb und Dubrovnik der Nationalpark Krka und der Wasserfall Skradinski buk.

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