Auszeit am Meer – warum ich mal Digital Detox brauche

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You’ll find me where the Agavenbäumchen are. Oder: Warum ich mal ne Pause und Digital Detox brauche.

Drei Wochen Urlaub und Auszeit am Meer

Meine Vorfreude ist unendlich groß: In weniger als einer Woche geht es mit dem Zug nach Spanien: Via Paris und Barcelona fahren mein Freund Andreas und ich an einen kleinen Ort an der Costa Daurada. Ein Ort, an dem es Meer, Strand, Palmen und Agavenbäumchen gibt.

Drei Wochen lang zelten wir auf einem Campingplatz, auf einem Platz direkt oberhalb einer wunderschönen kleinen Bucht, die mit ihrem türkisblauen Wasser zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt. Drei Wochen lang werden wir Tag und Nacht das Meer rauschen hören, am Strand spazieren gehen, wandern gehen, Sangria trinken, der Sonne ab und zu beim aufgehen und noch viel öfter beim untergehen zusehen.

Costa Daurade Zeltplatz

Traumhafter Zeltplatz direkt am Meer

Und plötzlich brauchst du Digital Detox

Schon viele Male habe ich an diesem Ort Urlaub gemacht, doch etwas ist dieses mal anders – trotz aller Vorfreude gibt es etwas, das mich latent stresst. Nicht etwa, dass wir dieses mal endlich nicht mehr fliegen, sondern mit dem Zug fahren (weil es für das Klima so unendlich viel besser ist, auf das Fliegen zu verzichten). Auf die Zugfahrt freue ich mich schon sehr. Auch stresst es mich nicht, dass ich in diesem Urlaub 30 werde. Ich gehöre nicht zu denen, die sich aufgrund einer Zahl Stress machen und sich plötzlich von einer Minute auf die andere alt fühlen, weil da jetzt eine 3 statt einer 2 vorne steht.

Vielmehr stresst mich die Tatsache, dass ich jetzt Bloggerin bin. Reisebloggerin, unter anderem. Vor knapp einem halben Jahr habe ich meinen Blog gestartet. Und es macht mir auch Spaß. Wirklich. Und trotzdem ist da auch eine negative Seite. „Du musst schöne Fotos machen“, sagt eine Stimme in meinem Hinterkopf. „Du musst berichten und präsent sein auf deinen Social Media Kanälen“. „Das gehört dazu, wenn man Reiseblogger*in ist“.

Aber: eigentlich ist mir gerade danach, mich mal komplett zurückzuziehen aus der digitalen Welt. Oder zumindest das Smartphone einfach mal nicht dabei zu haben, es tagelang ausgeschaltet im Zelt liegen zu lassen, wenn mir danach ist. Die Menschen und die Landschaft um mich herum ganz und gar wahrzunehmen. Digital Detox nennt sich das heutzutage.

Der Social Media-Wettbewerb

Bevor ich meinen Blog gestartet habe, war ich nicht sehr aktiv auf den einschlägigen Social Media Plattformen. Plötzlich war ich dann auf Facebook, Instagram, Twitter und Pinterest angemeldet und bin ins kalte Wasser gesprungen, oder besser gesagt: In den Wettbewerb um Klicks und Follower. Die Algorhitmen arbeiten nur dann einigermaßen für dich, wenn du ständig präsent bist, täglich klickst, kommentierst, Fotos und Stories postest, andere erwähnst und verlinkst oder dir kreative Aktionen ausdenkst – und selbst dann ist es schwer auf „Nischenthemen“ wie nachhaltiges Reisen, Konsumkritik und Klimaschutz aufmerksam zu machen. Ich habe es trotzdem versucht und so saß ich in den letzten Monaten sehr viel mehr vorm Bildschirm, als mir eigentlich lieb war. Deshalb ist es Zeit für eine Auszeit, bei der ich wieder lerne, dass die Welt sich auch ohne Social Media-Präsenz weiterdreht.

Ich stehe dem Konzept, dass wir uns von großen Konzernen abhängig machen, ohnehin kritisch gegenüber und wünsche mir eine andere Form der Kommunikation, bei der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Während der Zeit in Spanien werde ich also auch überlegen, ob ich mich nicht von der ein oder anderen Social Media Plattform wieder zurückziehe und das ganz gewagte Experiment starte, als Bloggerin nicht überall präsent zu sein. Wer weiß, es tun sich sicher andere Wege auf, Menschen zu erreichen und interessierte Leser*innen zu finden.

Costa Daurada Strand

Meer, Strand, Sangria und der Sonne beim auf- und untergehen zusehen.

Herzensort mit vielen Erinnerungen

Der kleine Ort, an den wir reisen, hat für mich eine besondere Bedeutung. Meine Großeltern sind dort das erste mal vor über 50 Jahren hingereist. Meine Mama ist als Kind an dem schönen Strand rumgeturnt, meine Großeltern haben es sich bei Sangria und lebhaften spanischen Festen gutgehen lassen. Sie sind seitdem fast jedes Jahr wieder an diesen Ort zurückgekehrt.
Irgendwann war dann ich da, als Kind, und bin in den Schulferien mit meinen Großeltern im Wohnmobil mitgefahren. Ich erinnere mich noch, dass wir als erstes immer auf einen Felsen geklettert sind und dem Meer „hallo“ gesagt haben – und am Ende auch wieder „tschüss“. Immer wieder ein bittersüßer Abschied.

Auch jetzt reise ich noch immer wieder an diesen Ort. Und ich freue mich sehr, dass meine Großeltern – inzwischen sind sie 82 und 83 Jahre alt – dieses Jahr noch einmal dabei sein und meinen 30. Geburtstag mit mir dort verbringen werden. In den letzten Jahren schwebte immer mal wieder der Gedanke über mir, es könnte irgendwann das letzte Mal sein, dass wir dort zusammen Zeit verbringen, und irgendwann nur noch die vielen schönen Erinnerungen bleiben.
Es war auch nicht sicher, ob es dieses Jahr noch einmal klappt – umso mehr freue ich mich jetzt, dass wir noch einmal gemeinsame Erinnerungen schaffen werden!

Und doch weiß ich, dass mir der Abschied wieder unglaublich schwer fallen wird. Ich möchte am liebsten die Zeit anhalten können, und dass wir immer wieder gemeinsam an diesem Ort sein können. Noch ein Grund mehr also, die Zeit in vollen Zügen zu genießen, ohne Stress, ohne Ablenkung.

Costa Daurada Bucht

Das türkisblaue Meer lädt zum Schwimmen und Schnorcheln ein

Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Umweltschutz und negative Nachrichten

Was außerdem hinzukommt: Ich beschäftige mich sowohl beruflich als auch privat viel mit den Themen Klima- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit. In den letzten Monaten gab es aber oft Momente, wo mir das alles irgendwie zu viel wurde. Ich setzte mich viel und auch gerne für diese Themen ein, finde es aber manchmal frustrierend zu sehen, wie wenig sich tut. Man mische dazu noch Nachrichten wie kürzlich aus Chemnitz und aktuell die Geschehnisse im Hambacher Forst. Heraus kommt ein „Ich möchte von all dem mal nichts mehr hören“-Cocktail. Das heißt nicht, dass ich die Augen verschließe. Ich werde mich weiterhin für die Themen stark machen, die mich beschäftigen. Aber ich brauch jetzt eben mal eine Pause, um wieder Energie zu tanken.

Auszeit zwischen Meer, Palmen und Agavenbäumen

Deshalb habe ich beschlossen, mich nicht unter Druck zu setzen. Wenn ich Lust habe, ein Foto oder eine Story zu posten, dann werde ich das machen. Aber wenn ich keine Lust habe, dann ist das auch ok. Der Blog läuft nicht weg und ich kann auch nach dem Urlaub noch wunderbar berichten, wie es war. Digital Detox nach Bedarf quasi.

Ihr wisst also bescheid: Wenn ich mich melde, dann mache ich das, weil ich Lust darauf habe. Und wenn ich mich nicht melde: You’ll find me where the Agavenbäumchen are!

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